Der Igel zählt laut Bundesnaturschutzgesetz zu den geschützten Wildtierarten und darf weder getötet, eingefangen noch dauerhaft als Haustier gehalten werden. Lediglich kranke und untergewichtige Igel, die ab Oktober leichter als 500 Gramm wiegen, oder bei Frost noch nicht im Winterschlaf sind, dürfen vorübergehend aufgenommen werden. Diese sind auf Zecken, Flöhe, Maden und äußere Verletzungen zu untersuchen. Da fast alle Igel Lungenwürmer und Hautparasiten haben, müssen sie vom Tierarzt behandelt werden.
Diese müssen aber nach Genesung bzw. Überwinterung wieder frei gelassen werden. 

Was tun wenn man ein Igelbaby findet?


Überzeugen Sie sich davon, dass das Igeljunge wirklich mutterlos und die Mutter nicht etwa auf Nahrungssuche ist. Igelbabys benötigen eine sehr intensive und zeitaufwendige Pflege. Halten Sie das Findelkind warm und bringen Sie es so schnell wie möglich in unsere Praxis.

Wie soll ein Igel untergebracht werden?


Igel fühlen sich bei einer Umgebungstemperatur von 16-22 Grad wohl und benötigen einen ca. 2 qm großen Auslauf und ein ausreichend großes Schlaf-häuschen. Die Begrenzung des Auslaufs sollte mindestens 50 cm hoch sein,
denn Igel sind kletterfreudig. Für Säuglinge, aber auch kranke oder geschwächte Tiere sollte eine zusätzliche Wärmequelle (Rotlichtlampe, Wärmflasche) bereit gestellt werden. Als dämmerungs- und nachtaktive Tiere verschlafen sie oft den gesamten Tag. Die Igelunterkunft sollte mit Zeitungspapier, bzw. Papierschnipseln ausgelegt werden, die mindestens jeden 2. Tag erneuert werden müssen. Igel sind Einzelgänger und sollten nur alleine oder mit Wurfgeschwistern zusammen gehalten werden. Wenn mehrere Tiere in einem Auslauf untergebracht sind, müssen mehrere Schlafhäuschen zur Verfügung stehen.

Was darf ein Igel fressen?

Igel ernähren sich hauptsächlich von Schnecken, Regenwürmern und Insekten.
Sie können Ihrem Gast Dosenfutter für Katzen, gekochtes Geflügelfleisch, gekochte Eier, Rührei, Bananen, Karotten, Haferflocken, Weizenkleie, Quark, ungeschwefelte Rosinen und Nüsse füttern. Kommerziell im Handel erhältliches Igelfutter sollte nur in kleinen Mengen als Zusatz verfüttert werden. Unterstützend sollte ein Multivitamin- und Mineralstoffpräparat gegeben werden. Verboten sind für Igel rohe Eier und Milch. Ein Igel darf nicht überfüttert werden und sollte pro Woche nur 50 Gramm zunehmen. Bitte geben Sie dem Tier lediglich 1-2 Esslöffel Futter am Tag, auch wenn Ihr Igel gerne das Vielfache fressen würde. Ein Igel sollte nicht mehr als 800 bis 1000 Gramm Körpergewicht haben. Bitte wiegen Sie den Igel jede Woche, geeignet sind Küchenwaagen. Der normale Igelkot ist geformt, halbfest bis fest und intensiv riechend.

Wann ist der Igel krank?


Nahrungsverweigerung über mehr als 2 Nächte, Gewichtsverlust, Durchfall, mangelnder Appetit, Husten, Niesen, keuchender Atem, Zittern, Umfallen auf die Seite und Stachelverlust deuten auf eine Erkrankung hin. Bitte suchen Sie unsere Praxis auf, wenn Sie eines dieser Krankheitssymptome bemerken. Wenn Igel sich mit Gegenständen intensiv beschäftigen, speicheln sie oft stark und sondern weißen Schaum ab. Das ist kein Anzeichen für Tollwut!

Wann ist der Igel bereit für den Winterschlaf?

Die Vorbereitung des Winterschlafes zeigt sich durch Nestbauverhalten und zunehmende Müdigkeit an (nicht mit Krankheit verwechseln). Der Igel muss
dann in einen Raum mit maximal 6 °C Umgebungstemperatur gebracht werden,
bei höherer Raumtemperatur besteht die Gefahr, dass der Igel in einen kräfte-zehrenden Halbschlaf eintritt. Futter und Wasser sollen aber weiter angeboten werden. Sein Schlafhaus füllen Sie bitte mit viel Papier und Küchenkrepp. Wenn
der Igel wieder aktiv wird und Futter und Wasser aufnimmt (Kontrolle nötig!)
muss er wieder in einen wärmeren Raum gebracht werden.

Wann soll der Igel wieder ausgesetzt werden?


Bei nicht zu kalter Witterung können 400-500 Gramm schwere Igel noch im
Herbst ausgesetzt und eventuell am Fundort zugefüttert werden. In Gefangenschaft überwinternde Igel sollen Anfang Mai freigelassen werden. Am besten in der Nähe des Fundortes, weit entfernt von Straßen, in einem Gebiet mit ausreichend Unterholz. Um dem Igel wieder an seinen natürlichen Lebensraum zu gewöhnen, füttert man ihn zuvor einige Zeit mit Lebendfutter (Schnecken, Raupen, Insekten, Würmer) bzw. füttert ihn dort, wo er freigelassen wurde, noch einige Zeit weiter.

Wir beraten Sie gerne!

Ihre tierärztliche Praxis Dr. Ute Lederer